Hans Orterer

Hans Orterer kam 1948 in Jachenau (Oberbayern) als Sohn eines Organisten und ehemaligen Militärmusikers zur Welt. Als Kind gehörte er den Regensburger Domspatzen an und erhielt während dieser Zeit auch Orgel- und musiktheoretischen Unterricht. Nach dem Abitur im Jahr 1967 wurde er zunächst Offizier bei der Panzertruppe, bevor er von 1973 bis 1976 an der Hochschule für Musik Köln ein Kapellmeisterstudium absolvierte. Im Anschluss war er als Musikoffizier beim damaligen Heeresmusikkorps 5 in Koblenz tätig. Danach leitete er ab 1976 das Heeresmusikkorps 6 in Hamburg, ab 1979 das Heeresmusikkorps 4 in Regensburg, ab 1985 das Heeresmusikkorps 5 in Gießen,ab 1992 das Luftwaffenmusikkorps 3 in Münster sowie ab 1996 das Luftwaffenmusikkorps 1 in Neubiberg. Hans Orterer komponierte und arrangierte zahlreiche Musikstücke für Blas- und Spielleuteorchester. Darunter auch mehrere Werke, die gemeinsam von Blasorchester und Spielmanns- und/oder Fanfarenzügen aufzuführen sind.

Seit Ende des Jahres 2013 verlegt Oberstleutnant a. D. Hans Orterer, zuletzt Chefdirigent des Luftwaffenmusikkorps 1 der Bundeswehr in Neubiberg, seine Kompositionen auch im Musikverlag AHLEMEYER. Wir führten aus diesem Anlass ein kurzes Interview mit dem pensionierten Berufsmusiker.
 

Musikverlag AHLEMEYER: "Herr Orterer, Sie sind bei vielen Musikerinnen und Musikern als Komponist für Werke, die Sie für das Zusammenspiel von Blasmusik und Spielleuten komponiert haben bekannt. Auch haben Sie Konzertwerke nur für Spielleuteorchester komponiert. Wann und wie ist seinerzeit Ihr Interesse für die Spielleutemusik entstanden?"
 
Hans Orterer: "Die ersten Kontakte in die Spielleuteszene entstanden während meiner beruflichen Tätigkeit als Chef des Luftwaffenmusikkorps 5 in Gießen. Sie vertieften sich noch, als ich 1992 nach Münster versetzt wurde und die westfälische Spielleuteszene kennenlernte. Anlässlich des Deutschen Bundesmusikfestes 1995 in Münster wurde ich dann mit einem Kompositionsauftrag für ein Werk, welches gemeinsam von Spielleuten und Blasmusikern aufgeführt werden kann, beauftragt. Da mir besonders wichtig war, dass bei diesem Werk die unterschiedlichen Klangfarben der beiden Orchesterformen gut zur Geltung kommen, habe ich mich in dieser Zeit intensiv mit der Musik der Spielleute und ihrer Instrumente auseinander gesetzt.
 

M. A.: "Was reizt Sie, für Spielleute zu komponieren?"
 
H. O.: "Seit Beginn der 1990er Jahre war eine große Aufbruchsstimmung bei den Spielleuten spürbar. Beflügelt von neuen Originalkompositionen entwickelten sich viele Vereine zu ansehnlichen "Spielleuteorchestern". Die Spielleutemusik entwickelte sich durch den Einsatz von unterschiedlichsten Schlaginstrumenten, insbesondere im Stabspielbereich, zu einem facettenreichen Klangkörper. Hierdurch wurde auch mein Interesse geweckt, für diese Besetzungsform zu komponieren..."
 

M. A.: "In den letzten Jahren haben Sie ja bedauerlicherweise kaum noch Werke für Spielleute komponiert..."
 
H. O.: "Richtig, ich habe in den letzten Jahren eigentlich kaum noch für Spielmannszüge oder Spielleuteorchester komponiert. Wieder "neu motiviert" hat mich dann unter anderem die Einladung von Christoph Ahlemeyer, ihn als Gastdirigent in der Herbstprobenphase 2013 des Nordbayerischen Spielleuteorchesters zu unterstützen. In diesem Zusammenhang ist auch meine neue Marschkomposition "Reichsgraf Johann Georg von Königsfeld" entstanden. Der Marsch trug zunächst den Arbeitstitel "Hebst 13" und wurde dann in Anlehnung an den Ort der Uraufführung, die Musikakademie Schloss Alteglofsheim, in den jetzigen Namen umbenannt. Ich selbst habe viele Jahre in einem Nachbarort von Alteglfsheim mit meiner Familie gelebt und habe auch später den Aufbau der Akademie stets mit großem Interesse verfolgt. Unter Reichsgraf Johann Georg von Königsfeld (1679-1750) wurde seinerzeit das Schloss Alteglofsheim in weiten Teilen zu dem Erscheinungsbild ausgebaut, wie wir es heute kennen. Der Einfachheit halber könnte man den Marsch auch kurz "Königsfelder Marsch" nennen. Er ist nicht nur für Spielmanns- und Fanfarenzüge, sondern auch von Blasorchestern oder als Gemeinschaftswerk aufführbar.
 

M. A.: "Herr Orterer, viele Spielmannszüge würden sich sicher über weitere Kompositionen aus ihrer Feder freuen. Sind hier weitere Werke in Planung?
 
H. O.: "Sehr erfreut habe ich die Qualitätssteigerung der Spielleutemusik in den vergangenen Jahren beobachten dürfen. Dies hat mich motiviert, mich in Zukunft wieder intensiver mit den Spielleuten zu beschäftigen. Ich habe auch schon einige Ideen für neue Projekte, aber mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten..."
 

M. A.: "Herr Orterer, wir bedanken uns herzlich für Ihr Interview und sind schon sehr gespannt auf Ihre neuen Kompositionen. Vielen Dank!"

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